04.07.2019

Ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur

Handschuhe sind Pflicht: Hanna Stenkamp beim Umgang mit Textilien in einem Depotraum des TextilWerks. Foto: Sven Betz

Interview mit Hanna Stenkamp

Hanna Stenkamp absolviert seit September 2018 ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im TextilWerk. Im Interview für unseren Blog berichtet sie über vielfältige Aufgaben, spannende Projekte und neue Freunde.

Hanna, du machst dein FSJ im Museum – was kann man sich eigentlich darunter vorstellen?

Die Frage stellen tatsächlich viele in meinem Umfeld, denen ich von meinem Arbeitsplatz erzähle. Hier im TextilWerk gleicht kein Tag dem anderen – ob 120 Kinder gleichzeitig beim Workshop-Tag zu beschäftigen sind, Modedesigner aus Berlin mit uns ihre kommende Ausstellung besprechen, spannende Exponate in unsere Hauptzentrale nach Dortmund gebracht werden müssen, oder ich mit unseren Restauratoren 100 Jahre alte Schränke aus dem Keller ziehe, um diese von ähnlich altem Schmutz zu befreien und anschließend in die drei Stockwerke höher liegende Ausstellung integriere – man weiß nie, was auf einen zukommt, oder was man Spannendes findet, obwohl man doch eigentlich nur einen Zollstock sucht…

Warum hast du dich für das TextilWerk als Einsatzstelle entschieden?

Ursprünglich wollte ich nach meinem Abitur eine Ausbildung zur Maßschneiderin machen. Da ich jedoch keine Lehrstelle fand, recherchierte ich im Internet nach einer Alternative, fand die Freiwilligendienste Kultur und Bildung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) NRW und bewarb mich um einen Platz, unter anderem im Schauspielhaus Bochum in der Kostümabteilung, und auch hier im TextilWerk, um den textilen Bezug nicht zu verlieren. Ich fand das spannend. Wann hat man schon die Chance, in einem Museum zu arbeiten? Durch die räumliche Nähe - ich wohne in Raesfeld - habe ich mich letztendlich für die Stelle im Museum entschieden, was ich keinen Tag bereut habe.

 

Von welchem Ereignis deines FSJs würdest du also noch in 10 Jahren berichten?

Das ist wirklich eine schwierige Frage… Ich denke auf jeden Fall von der tollen Arbeitsatmosphäre hier und meinen Kollegen, mit denen man sich auch mal den ein oder anderen Spaß erlauben kann.

Aber ein besonderes Erlebnis war die Ausstellungseröffnung von „Fashion Material“ am 25. Mai 2019. Es war so schön zu sehen, wie die Hirngespinste, die wir noch vor Monaten lediglich als vage Ideen in unserem Kopf hatten, dann tatsächlich - nach einem Marathon aus Teamarbeit mit Hochzeiten und ein paar Tiefpunkten - den Besuchern präsentiert werden konnten. Die begeisterten Reaktionen zeigten, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat!

Aber auch die Seminare, die alle paar Monate von der LAG für die Freiwilligen organisiert werden, werde ich nicht vergessen. Durch die verrücktesten Workshops und Aktionen, ob bei Tag oder auch bei Nacht, lernt man den Aspekt „Kultur“ von vielen neuen Seiten kennen und gewinnt nebenbei Freunde fürs Leben.

Du arbeitest nur noch bis Ende August hier. Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Das ist wirklich ein wundes Thema bei mir, denn ich bin schon jetzt unendlich traurig, wenn ich daran denke, dass ich nur noch (durch Urlaub und Co.) wenige Tage hier arbeiten werde. Der Abschied wird mir sicherlich sehr schwer fallen, obwohl ich weiß, dass ich definitiv auch in Zukunft noch oft hier her kommen werde, um entweder bei Veranstaltungen zu helfen, oder einfach nur, um meine lieben Kollegen zu besuchen.

Aber ich freue mich natürlich auch auf das nächste Kapitel in meinem Leben, was einen Umzug nach Köln und eine schulische Ausbildung als „Bekleidungstechnische Assistentin“ beinhaltet – also den textilen Bezug werde ich definitiv nicht mehr so schnell aus den Augen verlieren!

Kategorien: Weberei · Spinnerei

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